Wird Innsbruck immer hässlicher?

Sprayerattacken sorgen für Ärger der Bevölkerung - Polizei und Politik werden an der Nase herumgeführt - Rudi Federspiel erhöht die Ergreiferprämie auf € 2.000 - die linke, grüne Stadträtin Schwarzl sieht die Sache der Sachbeschädigungen “gelassener” - “Menschen wollen Spuren hinterlassen!”Es vergeht kaum ein Tag in der Stadt Innsbruck, an dem nicht ein Sprayer sein Unwesen treibt und Häuserfassaden oder sonstige Flächen verschandelt. Für die einen ist es eine Kunstform, für die anderen ein Ärgernis, das mit hohen Kosten verbunden ist. Rund 3.400 Fälle von Sachbeschädigung durch Graffiti werden jährlich in Österreich angezeigt. Mehr als zwei Drittel der ermittelten Täter sind jünger als 18 Jahre. „Besonders Jugendliche nutzen Graffiti als Kommunikationsform. Beim sogenannten Tagging werden beispielsweise persönliche Signaturen oder Botschaften gesprüht, die für andere Sprayer eindeutig zuordenbar sind”, sagt Mag. Norbert Blaha, Leiter der Landesstelle Tirol des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV). Zwar müssen in der Regel die Verursacher für die Entfernung aufkommen - werden die Täter aber nicht gefasst, bleiben Eigentümer, Gemeinden oder Betreiber öffentlicher Verkehrsmittel auf den Kosten sitzen.

Ärger über Zerstörungswut
Der Innsbrucker Karl Schneider ärgert sich über das Treiben der Sprayer und prangert den Verfall des Stadtbildes an: „Ich habe allein im Stadtgebiet von Innsbruck über 1.000 Fälle von Sachbeschädigung dokumentiert und es geht hier um Schäden in Millionenhöhe. Wer kommt denn für die Kosten auf? Die Stadt wird immer desolater und systematisch verwüstet. Seit Jahren treiben die Sprayer ihr Unwesen und weder Politik noch die Exekutive scheinen in der Lage zu sein, dieser Zerstörungswut ein Ende zu bereiten”, erklärt Karl Schneider, der nun einen offenen Brief an die Bürgermeisterin, an GR Rudi Federspiel, den Landespolizeikommandanten sowie die Staatsanwaltschaft geschrieben hat. In dem Schreiben heißt es: „Innsbruck, du wunderschöne Alpenstadt… ein Volksmusikstück, das längst keinen Anspruch auf Realität mehr hat. Ganz im Gegenteil: Innsbruck ist in der Gesamtheit eine zunehmend desolate Stadt. Innsbruck wird zur „G`stettn” halbwilder, asozialer Horden.”

Polizei reserviert - Politik übt sich in Zweckoptimismus
In Polizeikreisen ist das Problem wohl bekannt, jedoch kann man nicht mit genauem Zahlenmaterial aufwarten. „Wir sprechen hier unter anderem auch von schwerer Sachbeschädigung. Die Beweisführung gestaltet sich jedoch schwierig, da es im Falle der Sprayer keine DNA-Spuren gibt”, so ein Beamter der Kriminalpolizei. GR Rudi Federspiel hat sich den Kampf gegen die Sprayer auf die Fahnen geheftet und eine Ergreiferprämie ausgesetzt: „Ich habe die Prämie auf 2.000,- Euro verdoppelt, denn wir können die Stadt nicht diesen Anarchisten überlassen. Hier geht es um Sachbeschädigung in Millionenhöhe, auf denen die Geschädigten meist sitzen bleiben. Ich spreche hier nicht von legaler Graffiti-Kunst, sondern von Schmierfinken, die das Stadtbild verunstalten”, so Federspiel.

Grünen-Stadträtin Uschi Schwarzl sieht die Situation etwas anders. „Ich habe natürlich Verständnis dafür, dass es für Hausbesitzer sehr ärgerlich ist und sie sich das nicht gefallen lassen wollen, aber man muss auch nicht alles sofort immer kriminalisieren. Zu einer Stadt gehört auch eine gewisse Gelassenheit sowie Veränderung. Dass Menschen Spuren hinterlassen wollen spielt ebenfalls eine Rolle”, erklärt Stadträtin Uschi Schwarzl .